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Geschichtliches

Die Gründerjahre

Am 19. März 1862 hatte der Aschaffenburger Uhrmachermeister Ernst Schultz sein Ziel erreicht. Nach mehreren zunächst erfolglosen Eingaben beim Stadtmagistrat gab ihm Bürgermeister von Herrlein endlich grünes Licht, der Gründung der Freiwilligen Feuerwehr Aschaffenburg stand nichts mehr im Wege. Immerhin 158 Männer trugen sich bereits bei der konstituierenden Versammlung am 19. März 1862 als aktive Mitglieder ein. Unter der Leitung von Franz Josef Kittel, dem ersten Kommandanten, und mit voller Unterstützung des Stadtmagistrats, der die nötigen Geldmittel und Anschaffungen unbürokratisch genehmigte, wuchs eine tatkräftige Wehr heran. Als im Dezember 1862 die Kö:nigliche Infanteriekaserne in Aschaffenburg in Flammen stand, wurden die Feuerwehrleute zum ersten Großeinsatz alarmiert. Die Männer meisterten die Bewährungsprobe trotz einiger Mängel an technischem Gerät mit Bravour. Der Ausrüstungsbestand wurde rasch aufgestockt, die Feuerwehr stieg in der Achtung der Bürger, neue Mitglieder gesellten sich dazu. Nach erfolgreicher, unermüdlicher Aufbauarbeit verabschiedete sich Kommandant Kittel 1869 aus gesundheitlichen Gründen. Er wurde zum ersten Ehrenmitglied der Freiwilligen Feuerwehr Aschaffenburg ernannt. Zu Kittels Nachfolger wählten die Männer Ernst Schultz, den eigentlichen Gründer der Feuerwehr, der den Ausbildungsstand der Wehr durch zahlreiche Übungen und Unterrichtseinheiten kräftig nach oben trieb. Ernst Schultz
Ernst Schultz, Gründer der Feuerwehr, wurde 1869 zum Kommandanten gewählt
Franz Kittel
Franz Kittel, der erste Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr Aschaffenburg

Als 1870 der Krieg ausbrach, wurde ein Großteil der Feuerwehrleute eingezogen und musste an die Front. Wer daheim bleiben durfte, unterstützte das neu gegründete Sanitätskorps. 1874 brachte der Wehr erneut einen Aufwärtsschub: der erste Steigerturm konnte neben dem Feuerwehrhaus am Marstall gebaut werden. Damit ging vor allem für die Steigerkompanie ein langgehegter Wunsch in Erfüllung. Nur ein Jahr später spielte die Aschaffenburger Wehr eine Vorreiterrolle bei der Gründung des Feuerwehr-Bezirksverbands und föderte damit das Entstehen der Freiwilligen Feuerwehren auf dem flachen Land. Aus Städten wie Berlin, München oder Wien holte sich Kommandant Schultz städig neue wehrtechnische Anregungen, die er zu Hause am Untermain soweit wie nur mölich in die Tat umsetzte. Weil auch schon im vergangenen Jahrhundert öffentliche Fördermittel knapp waren, besorgte sich Kommandant Schultz die nötigen Geldmittel aus der freien Wirtschaft. Mit Unterstützung der Münchner-Aachener Versicherungsgesellschaft, der Hypotheken- und Wechselbank und des Königlichen Stiftsrentenamts kam die stolze Summe von 1.250 Mark zusammen, die in neue Gerätschaften investiert wurde. Der Neuorganisation der Freiwilligen Feuerwehr 1878, die aus den bisherigen Einzelabteilungen vier gleichmßig ausgerüstete Züge machte, folgte drei Jahre später die erste Feuerwehrdienstordnung. Kommandant Schultz, inzwischen auch außrhalb der Region wegen seines unermüdlichen Einsatzes bekannt, regelte so einheitlich das Übungs- und Löschwesen.
Neuen Anreiz, der Wehr beizutreten, brachten in der folgenden Zeit vor allem zwei Ereignisse. Zum einen übernahm König Ludwig II. das Protektorat über sämtliche Feuerwehren Bayerns, zum anderen wurde jedem Mann, der mindestens 15 Jahre lang ununterbrochen der Feuerwehr angehörte, unentgeltlich das Bürgerrecht verliehen. Ernst Schultz

Ernst Schultz

Feuerwehrparade vor dem Aschaffenburger Schloß 1890

Die Jahrhundertwende

x Um die Jahrhundertwende war die Zahl der aktiven Feuerwehrleute auf 238 Mann geklettert, die technische Ausrüstung im Vergleich zu den Anfangsjahren erneut verbessert, der Ausbildungsstand der Männer weiter gestiegen. Auch die Kasse stimmte: rund 20.000 Mark standen bei der Generalversammlung 1901 zur Verfügung, unter anderem für die Unterstützung im Dienst verunglückter Mitglieder.

Als Gründungsmitglied, Ehrenkommandant und Kreisfeuerwehrvertreter für Unterfranken Ernst Schultz 1904 starb, endete eine Ära. Sein schweres Erbe trat 1905 der bisherige 2. Kommandant Heinrich Niesner an, unterstützt von seinem Stellvertreter Carl Götz. Nach zahlreichen Anfragen und Eingaben bewilligte der damalige Aschaffenburger Bürgermeister Dr. Matt 1907 endlich den dringenden Wunsch der Wehr nach einem zeitgemäßen, zentralen Feuerwehrgebäude. Die zunehmende Technisierung stellte auch die Wehrmänner vor neue Aufgaben: Eröffnung des Elektrizitätswerks, Inbetriebnahme der neuen Wasserleitung, Bau der ersten Sprinkleranlage im Aschaffenburger Stadttheater erforderten erneut bessere Ausbildung und leistungsstärkere Gerätschaften.

Stolz waren die Feuerwehrleute insbesondere auf ihre Balance-Drehleiter, die bis auf 24 Meter Höhe ausgefahren werden konnte. So war die Wehr in der Lage, sämtliche Gebäude der Stadt, ausgenommen die Türme am Schloß und an den Kirchen, von oben her unter Wasser zu nehmen. 1912, im 50. Gründungsjahr, zälte die Wehr 212 Aktive, das Vereinsvermögen betrug knapp 43.000 Mark, der Wert der Gerätschaften war mittlerweile auf rund 45.000 Mark gestiegen.

Ernst Schultz

Brand der Gaststätte Deutscher Hof am 4. September 1900

Der Erste Weltkrieg

Rund ein Drittel der aktiven Feuerwehrleute musste gleich zu Beginn des Ersten Weltkriegs an die Front. Um diese erhebliche Lücke zu schließen, warben die Freiwilligen intensiv und erfolgreich um neue Helfer, die Mitgliederzahl glich sich nahezu wieder aus. Die daheimgebliebenen Feuerwehrleute sorgten für die Familien ihrer Kameraden im Krieg. Zwei Winter lang lieferten sie ihnen unentgeltlich Kohlen und Kartoffeln. Mehrere Großbrände hatte die Feuerwehr während der Kriegsjahre in Aschaffenburg zu löschen. Im Leiderer Neuen Hafen konnten die Holzvorräte des Sägewerks Trömer trotz heftig wütenden Feuers gerettet werden. Allein 61 Männer kämpften gegen die Flammen, die das Städtische Wasserwerk in der Großostheimer Straße zu vernichten drohten. Aufatmen konnte so mancher Bürger in Leider: Endlich war die Wasserleitung fertiggestellt, so dass bei Bränden nun genügend Löschwasser aus dem Leitungsnetz entnommen werden konnte und nicht mehr zeitraubend aus dem Main über lange Schlauchstrecken herbeigefördert werden musste. Auch an der Wehr gingen die grausamen Spuren des Krieges nicht vorüber: Zwölf Kameraden starben im Kriegsdienst, 13 fanden in den Kriegswirren daheim den Tod. Ernst Schultz
Steigleiterbung in der Würzburger Str.

Die zwanziger Jahre

Nach dem Ersten Weltkrieg stabilisierten sich sowohl Mitgliederstand als auch Geräteausrüstung wieder zusehends. An strategisch wichtigen Stellen in der Stadt wurden Schlauchstationen eingerichtet, um bei akutem Alarm ausreichend Schlauchvorräte vor Ort zu haben. Eine wesentliche Verbesserung des Brandschutzes erzielte auch die neue Siemens-Feuermeldeanlage, die 1926 im Stadtgebiet installiert wurde. Von den wichtigsten Punkten der Stadt konnte so Alarm ausgelöst werden, auch die Feuerwehrleute selbst wurden über die gleiche Drahtschleife zum Einsatz gerufen. Die Brandmeldung ging zunächst bei der im Marstall positionierten Polizeiwache ein, die unverzüglich Feueralarm gab. Eine Glocke schrillte im Marstall und bei allen in der Nähe wohnenden Aktiven. Die hauptamtlichen Wehrleute machten die Fahrzeuge klar und öffneten die Tore, während die Freiwilligen von allen Seiten zum Dienst strömten. Leider hatte die neue Brandmeldeanlage auch ihre Schattenseiten. Schon in den zwanziger Jahren trieben Lausbuben ihren Schabernack und lösten blinden Alarm aus.

Eine Parallele zur heutigen Zeit läßt sich auch in puncto Feuerwehrhaus ziehen. Nach langen, zähen Verhandlungen mit den Stadtoberen, die stets auf zu hohe Kosten und fehlende Mittel verwiesen, bekam die Freiwillige Feuerwehr Aschaffenburg 1928 endlich ein zeitgerechtes Feuerwehrhaus. Aus den Mitteln der 1926 eingeführten Feuerschutzabgabe wurde der Marstall auf den damals neuesten Stand der Technik gebracht. So konnten die behelfsmäßigen Unterkünfte für die Feuerlöchgeräte in der Erbsengasse und Alexandrastraße geschlossen werden. Sie waren wegen der zu engen Ein- und Ausfahrtmöglichkeiten untragbar geworden.

Der Marstall dagegen lag zentral, besaß einen geräumigen Innenhof und eine freie Ausfahrt in Richtung Schloß Zum Preis von rund 50.000 Mark erhielten die Feuerwehrleute auf knapp 650 Quadratmetern Flä:che Gerätehalle, Wachlokal, Bekleidungskammer, Sitzungszimmer, Werkstatt, Schlauchwaschanlage und Sozialräume. Im gleichen Haus bezogen auch die Sanitäter Unterkunft.

Drei neue "Automobile Löschgeräte" die von der Firma Metz auf Mercedes-Fahrgestellen geliefert wurden, konnte die Wehr bei der Eröffnung der Zentralwache gleich miteinweihen: Drehleiter, Spritzen- und Mannschaftswagen bildeten den ersten richtigen "Löschzug" der beim Ausrücken mit 40 Männern, tausend Metern Schlauch, sechs Stand- und zehn Strahlrohren ausgerüstet war.

Dreißger Jahre / Zweiter Weltkrieg

Ernst Schultz Als der Wind in Deutschland immer mehr hin zum Nationalsozialismus drehte, war auch die Aschaffenburger Freiwillige Feuerwehr betroffen. Im Januar 1933 hatte die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei NSDAP die Macht ergriffen, vier Monate später; am 31. Mai, wurden die Feuerwehrverbände aufgelöst, die in Deutschland rund zwei Millionen Feuerwehrleute umfaßte. Das Führerprinzip hatte auch hier die Oberhand gewonnen. Dass die Zeichen der Zeit auf Krieg standen, liess sich an zahlreichen Indizien nachvollziehen: Bereits 1934 wurde die Feuerwehr in den Dienst des Luftschutzes gestellt, der in den Jahren bis 1938 immer stärker intensiviert wurde. Erste Verdunklungsübungen fanden in Aschaffenburg im April 1936 statt, einen Monat später begann eine umfassende Aktion, in der die Wehrmänner von der Sanitätskolonne in Erster Hilfe ausgebildet wurden. Als die Wehr 1937 ihr 75-jähriges Gründungsfest feierte, war auch ihr Gerätestand auf dem Höhepunkt: Neun Fahrzeuge und fünf Anhängerspritzen befanden sich in ihrem Besitz.

Erstmals wurde die Wehr auch in Feuerwehr- und Bergungstrupps, in leichte und schwere Löschzüge eingeteilt. Die neugegründete Jugendfeuerwehr sollte im Notfall die Aktiven unterstützen. 1938 wurde die Feuerwehr komplett der Polizei unterstellt und unterlag damit der Befehlsgewalt des Reichsministeriums des Inneren und dem Reichsführer der SS.

Den ersten Einsatz im Zweiten Weltkrieg musste die Feuerwehr am 29. September 1940 fahren, als eine Sprengbombe den Auhof traf und Brandbomben die Firma Nees & Co. zerstörten. In den letzten beiden Kriegsjahren rückte die Aschaffenburger Wehr so oft wie noch nie seit ihrer Gründung aus: Bomben fielen auf das Stadtgebiet, zerstörten Brentanoplatz, Roßmarkt, Theater, Luitpoldschule, Waisenhaus, Hofgarten, Bahnhof, weite Teile von Damm und vieles andere mehr.

Ernst Schultz

Mit einer Parade an der Jägerkaserne feiert die Feuerwehr ihr 70. Gründungsjahr 1932

Als die Amerikaner 1945 vor den Toren der Stadt standen, wurden die Löschgeräte auf Anordnung außerhalb der Stadt, am Zeughaus und nach Schmerlenbach hin, gelagert. Die Wasserleitungen im Stadtgebiet waren zerstört, die Wehr musste während der amerikanischen Angriffe Ende März die Bevölkerung in den Luftschutzkellern mit Wasser und Brot versorgen.

Die Nachkriegszeit

Ernst Schultz

Spektakulärer Brand im ehemaligen Supermarkt Basar an der Hanauer Straße

Die Arbeit der Wehr in den Nachkriegsjahren war geprägt vom Wiederaufbau. Das ehemalige Feuerwehrhaus im Marstall war zerstört worden, als Ausweichquartier bezogen die Männer zunächst die Lagarde-Kaserne, später den Städtischen Bauhof. Erst 1952, nachdem das bayerische Gesetz über das Feuerlöschwesen von 1946 endlich umgesetzt war und der Wiederaufbau der Feuerwehr konkrete Formen angenommen hatte, begann der "Alltag" wieder. In der Stadt Aschaffenburg sorgten zunächst sechs Löschgruppen mit dreifacher Besetzung für die Sicherheit der Bevölkerung. Drei dieser Gruppen waren für den Stadtkern zuständig, jeweils eine Löschgruppe versorgte die Stadtteile Damm, Leider und Schweinheim.

Regelmäßige Übungen sicherten hohen Ausbildungsstand und Einsatzkraft. Die Wehr zählte in dieser Zeit 173 aktive und 118 passive Mitglieder.

Ernst Schultz

Brand in der ehemaligen PWA

Bereits in den fünfziger Jahren wurde wieder der Ruf nach einem neuen, zentralen Feuerwehrhaus laut. Doch wegen fehlender Mittel im städtischen Haushalt mussten sich die Wehrmänner erneut aufs Warten verlegen.

Ernst Schultz

Dachstuhlbrand in der österreicher Kolonie

Auf ihr hundertjähriges Bestehen blickte die Freiwillige Feuerwehr 1962 zurück. Drei Tage lang feierten die Männer mit Standkonzerten, Festkommers, Schauübungen, Umzügen durch die Stadt und vielem mehr. 2.000 Feuerwehrleute und Mitglieder befreundeter Institutionen waren dazu nach Aschaffenburg gereist.

Im Durchschnitt musste die Feuerwehr Mitte bis Ende der sechziger Jahre rund 500mal jährlich ausrücken. Spitzenzeiten gab es 1965 und 1966, als die Wehrmänner gar über 700 Einsätze bei Bränden, technischen Hilfeleistungen, Nachsichten und leider auch Fehlalarmen absolvierten. Insbesondere die zahlreichen Brände auf der städtischen Müllhalde bei Kleinostheim waren für diese hohe Alarmzahl verantwortlich.

Unvergessen bleibt bei vielen Feuerwehrleuten das tragische Feuer in der Gaststätte Alt-Nürnberg, bei dem acht Menschen verbrannten und vier schwer verletzt wurden.

Die neue Wache in der Südbahnhofstraße

Dauerbrenner bei den Versammlungen blieb das Thema "neue Feuerwache" das seit Jahren heftig diskutiert wurde. Endlich signalisierte die Stadtverwaltung Anfang der siebziger Jahre grünes Licht für einen Neubau. Am 17. Februar 1978 wurde die neue Wache am damaligen Aschaffenburger Südring (heutige Südbahnhofstraße) offiziell von Stadtbrandrat Kurt Drutzel und Oberbürgermeister Dr. Willi Reiland eingeweiht. Nun standen der Ständigen Wache und den rund 300 freiwilligen Feuerwehrleuten auf einem Grundstück von 13.500 Quadratmetern knapp 3.000 Quadratmeter überbaute Fläche mit modernster Technik, einer geräumigen Fahrzeughalle und großzügigen Unterrichts- und Sozialräumen zu Verfügung. Ein wichtiger Meilenstein für die künftige Entwicklung der Freiwilligen Feuerwehr war gesetzt.

Ernst Schultz

Ein Brand ragte unter den rund 700 Einsätzen, die die Feuerwehr Anfang der achtziger Jahre durchschnittlich fuhr, besonders heraus: Das SB-Warenhaus Basar an der Hanauer Straße stand am 7. August 1983 in hellen Flammen, gegen die die Löschzüge mehr als 16 Stunden kämpften.

1987 stand erneut ein bemerkenswertes Jubiläum an: die Freiwillige Feuerwehr Aschaffenburg mit inzwischen mehr als 300 aktiven Feuerwehrleuten in acht Löschzügen und einem ABC-Zug beging den 125. Jahrestag ihrer Gründung. Vier Tage lang feierten die Männer mit Gästen aus ganz Deutschland im Festzelt auf dem Volksfestplatz.

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